Zapster ausgebellt

Jetzt mal ehrlich, wann habt ihr euch zuletzt über etwas richtig gefreut? Neulich stieg zu mir eine Kollegin in den Aufzug – Ja, alle Superhelden haben eine Tarnidentität. Wir nennen sie Job!
Da keine chillige Fahrstuhlmusik lief, dachte ich, ich überbrücke die Stille mit etwas Konversation. Schließlich ist Zaynab echt eine witzige Frau mit viel Energie. Mein Kreativlevel war so
früh aber scheinbar noch nicht ganz wach, also versuchte ich es mal unverfänglich.

„Schön, dass das Wetter wieder wärmer wird“, meinte ich. Zaynab seufzte und verdrehte die Augen: „Ja, das war echt mal nötig.“ Das schien mir schon nicht zu ihrer Art zu passen, aber
sie fuhr fort: „Bei all dem Schlimmen, das um uns passiert, ist wenigstens das Wetter nicht mehr ganz so schrecklich.“

Da war ich wach!

Klar, den Winter finde ich auch hart, zumindest wenn die Weihnachtszeit vorbei ist, und die kleinen Glitzerlichter in den Bäumen durch das fade Grau des Himmels hinter den kahlen Ästen
ersetzt werden. Über die Weltpolitik brauche ich da gar nicht erst zu reden. Eine Verrücktheit jagt die nächste. Außerdem sind gefühlt alle um mich herum wieder krank, und die Arbeit … Halt!

In dem Moment hielt der Fahrstuhl, und wir waren auf unserer Etage angekommen. Nach ein paar netten Worten verabschiedete ich Zaynab, aber ihre Gedanken begleiteten mich noch ein
Stück. Keine Ahnung, wie ihr das fühlt, aber 2026 ist schon zu einem Viertel vorbei und hat wirklich keinen guten Start hingelegt. Schon wollte sich das Himmelsgrau auch auf meine
Gedanken legen, aber glücklicherweise war das „Halt“ vom Aufzug mitgekommen und machte sich nun wieder bemerkbar.

Richtig ist, dass wir Superhelden meist dann auftreten, wenn es eine Krise gibt, gerade so als bestünde unsere Welt nur aus schlimmen Dingen. Vielleicht können das auch einige von euch
Menschen nachvollziehen. Unser Hirn scheint sich auf die schlimmen Dinge zu fokussieren, was evolutionär betrachtet ja auch Sinn macht. So können wir an Lösungen arbeiten, um den Krisen zu begegnen. Wenn ich den Säbelzahntiger in der Steppe ignoriere, werde ich vermutlich sein Abendessen.
Was aber, wenn wir nichts gegen die aktuelle Bedrohung machen können? Wenn weder Flucht noch Angriff im Rahmen unserer Möglichkeiten liegen? Evolution sagt: „Dann musst du die
Fähigkeiten entwickeln!“ Leicht reden, wenn man ein ewiges Prinzip ist, aber Evolution macht nur im großen Bild Sinn. Und genau das ist die Lösung.

Mir ist in den letzten Tagen aufgefallen: Die schlimmen Dinge nehmen so viel Raum ein, dass ich alles andere ausblende. Licht an und Focus shift! Die Augen zu verschließen, ist der
falsche Weg, also schaue ich im Gegenteil auf das ganze Bild. Und da sind eine Menge Dinge für die ich dankbar bin: Partnerschaft, Freund*innen, Gesundheit, Job, aber auch die Blumen,
die jetzt überall aufgehen, mein letzter Iced Matcha Latte und der tolle Sex von gestern. Das ist keine Ablenkung, um das Schlechte weg zu ignorieren (ghosting ist einfach jämmerlich).
Trotzdem sehe ich so auch im großen Bild wieder das Gute: In Ungarn entscheiden sich die Menschen für eine neue Linie, es gibt neue Bilder vom Mond, und Deutschland steigt fünf Plätze
im Welt Happiness Report 2026. Kleine Schritte, aber Evolution ist ein langsamer Prozess.

So, ich muss los und Zaynab meine zwei neuen Freund*innen vorstellen: „Halt“ und „Focus shift“. Kann euch die beiden nur wärmstens empfehlen! Vielfalt ist zu bunt, um nur auf das
Schwarz zu schauen.

In diesem Sinne, lasst euer Licht leuchten!
Zapster hat ausgebellt für heute.

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